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Zur Eventübersicht25.02.2026
Problemfall Physiotherapie
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IFK mit klaren Forderungen an die Politik
Die Europäische Kommission plant einen europaweit einheitlichen Ausbildungsrahmen für die Physiotherapie. Während viele EU-Staaten längst auf eine hochschulische Ausbildung setzen, hält Deutschland ohne inhaltliche Gründe überwiegend am fachschulischen Modell fest. Dieser Ausbildungsweg droht, europäisch abgewertet zu werden, die Politik muss handeln, fordert der IFK.
Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einem sogenannten Common Training Framework (CTF) zur Einführung eines europaweit einheitlichen Ausbildungsrahmens in der Physiotherapie. Ziel ist es, Qualitätsstandards innerhalb der Ausbildung zu vereinheitlichen und die automatische Anerkennung von Berufsabschlüssen innerhalb der EU zu erleichtern.
Im Zuge dieses Prozesses zeichnet sich ab: Die in Deutschland vorherrschende berufsfachschulische Ausbildung dürfte den künftig definierten europäischen Standards nicht entsprechen. Während viele weitere europäische Staaten die Physiotherapieausbildung bereits vollständig akademisiert haben, werden Physiotherapeuten in Deutschland zu 94 % fachschulisch ausgebildet. Der Anteil von Therapeuten mit akademischem Abschluss liegt insgesamt bei unter 5 % und wird auch in den nächsten Jahren nicht nennenswert steigen.
Gefahr mangelnder Anerkennung im europäischen Ausland
Wenn der geplante Ausbildungsrahmen in der derzeit diskutierten Form umgesetzt wird, können deutsche Abschlüsse künftig nicht automatisch in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt werden. Fachschulisch ausgebildete Therapeuten aus Deutschland werden damit im europäischen Wettbewerb erheblich benachteiligt. Obwohl die akademische Ausbildung international der überwiegende Standard ist, hält die Politik hierzulande am deutschen Sonderweg fest. Dieser Sonderweg könnte nun dazu führen, dass die deutsche Physiotherapie ein Schlusslicht in Europa bildet.
Weitere strukturelle Nachteile für das deutsche Gesundheitssystem drohen dann auch dadurch, dass die fachschulische Ausbildung unattraktiver wird, noch weniger junge Menschen sich für den Beruf entscheiden und sich damit der Fachkräftemangel noch weiter zuspitzt. Schon heute führt die Physiotherapie laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) die Statistik der Mangelberufe auf Platz 1 an.
Für den Gesundheitsstandort Deutschland hätte ein weiterer Rückgang der Ausbildungszahlen dramatische Folgen für die Versorgungssicherheit hunderttausender Patienten. Bereits heute warten Patienten mit akuten Beschwerden teils wochenlang auf einen Termin.
„Ein einheitlicher Ausbildungsrahmen ist ein wichtiger Schritt, um das Niveau der Physiotherapie in Europa anzugleichen. Er schafft Transparenz zwischen den unterschiedlichen Ausbildungssystemen und erleichtert die gegenseitige Anerkennung“, sagt Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK). „Deutschland darf jetzt nicht den Anschluss verlieren. Seit Jahren liegt der Reformbedarf auf dem Tisch – und ebenso lange verweigert die Politik eine verbindliche politische Entscheidung. Statt zu handeln, wird die Verantwortung wie ein schwarzer Peter zwischen Bund und Ländern hin- und hergeschoben. Dieses Zögern gefährdet nicht nur die internationale Anerkennung unserer Abschlüsse, sondern auch die Zukunftsfähigkeit unseres Berufs und in Konsequenz die Versorgungsicherheit der Patienten. Wenn die Politik weiterhin blockiert und deutsche Sonderwege favorisiert, nimmt sie strukturelle Nachteile für eine ganze Generation von Physiotherapeuten und Patienten billigend in Kauf. Und ganz nebenbei kann man nicht mehr davon sprechen, dass Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme hat, wenn im Rest Europas insgesamt auf höherem Niveau ausgebildet und gearbeitet wird. Der ganze Prozess zeigt, dass die deutsche Gesundheitspolitik jetzt die Ausbildung auf ein europäisches Niveau anheben muss, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit und das hohe Niveau des Gesundheitsstandorts wahren will.“
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