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30.12.2022

Persönlichkeiten der Branche

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Fragen an Holger Krakowski-Rosen

Derzeitige Position: Meine beiden Tätigkeiten als Hochschulprofessor der Hochschule Hamm-Lippstadt im Lehrgebiet "Angewandte Sportwissenschaften" und als Geschäftsführer Ergofit könnten auf den ersten Blick zwar gar nicht unterschiedlicher sein, in Wirklichkeit haben Sie aber sehr viel miteinander zu tun. Denn sowohl der Beamte auf der einen Seite und der Unternehmensberater auf der anderen Seite, arbeitet mit Menschen, die ihrerseits die Seiten schon häufig gewechselt haben. So sind derzeit bei Ergofit acht aktuelle oder ehemalige Studierende in unterschiedlichster Position und Rolle beschäftigt, bis hin zur leitenden Position im Bereich Produkt. Auch mein Lehrgebiet hat mit beiden Welten inhaltlich viele Überschneidungen, denn angewandte Sportwissenschaften sind unter anderem Veranstaltungen, in denen Studierende lernen Anforderungen aus dem Sport oder der Therapie in Geräte umzuwandeln.

In der Branche seit: 2003, zuerst im medizinisch-therapeutisch und diagnostischen Bereich tätig, ab 2007 dann auch zunehmend mit klassischem Fitnesstraining befasst. Ein Weg den auch derzeit Ergofit in derselben Reihenfolge bestreitet.

So halte ich mich fit: Tennis, Fitness, Personaltrainerin "Pippa". Wer an dieser Stelle überrascht ist und von einem Diplomsportlehrer mehr erwartet, dem kann ich entschuldigend nur entgegenhalten, dass jemand der sich in seinen beiden Berufen tagtäglich mit Sport, Medizin, Training, Therapie beschäftigt, froh ist, wenn er sich in seiner Freizeit mit anderen Dingen beschäftigen kann.

Ich entspanne mich am besten bei: einem Glas Rotwein. Auch diese Antwort mag überraschen und sie soll auch provozieren. Aber zum einen esse und trinke ich gern, insbesondere auch gern mit meiner Frau, zum anderen ist das Glas Rotwein für mich weniger ein Getränk als eine Stimmung, die ich mit seinem Geschmack verbinde und so kann ich mich mental nach Bozen in den Urlaub hinein versetzen und dann bin ich sofort entspannt.

Das motiviert mich: jede Herausforderung, insbesondere Menschen. In meinen Tätigkeiten heute habe ich viel mit Menschen zu tun, die mir als Studierender, Patient, Mitarbeiter, Kollege, Kunde oder auch vorgesetztem Dienstherrn begegnen. Diesen muss man regelmäßig etwas geben, seltener fordere ich von Ihnen, dies allein stellt eine Herausforderung dar. Eine noch größere Herausforderung stellt es dar, wenn man den Anspruch erhebt, all diese Menschen verstehen zu wollen, was treibt sie an, was motiviert sie, wie kann man selbst motivieren.

Das esse ich am liebsten: Fisch. Das muss an meinem Sternzeichen liegen. Und da habe ich eine große Breite der Befriedigung, denn ob Matjesbrötchen, Scholle Finkenwerder Art, geräucherter Lachs, gebratene Forelle oder Saibling, frittierte Calamari … Fisch geht immer bei mir.

Mein Lieblings-Urlaubsziel: Südtirol und alles wohin mich unser Wohnmobil bringt. Vermutlich würde aber auch die Fahrt bis zum nächsten Autobahnparkplatz ausreichen, denn wenn ich zwei Minuten am Steuer des Wohnmobils sitze, hat bei mir der Urlaub schon angefangen und ich kann entspannen. Es ist diese entschleunigte Art des Fahrens von der erhöhten Sitzposition mit Blick ins weite Land, die mich schnell in den Urlaubsmodus führt. Das Lieblingsurlaubsziel dürfen übrigens weder meine Frau noch ich aussuchen, das ist bei uns die Aufgabe von Pippa.

Ich mag die Therapie- und Gesundheitsbranche, weil… sie sich mit Menschen beschäftigt (siehe Motivation). Von Hause aus bin ich Physiologe, der sich mit allen Vorgängen und Prozessen im Körper bis hinunter auf Zellebene auseinandersetzt. Das hört sich nicht nur komplex an, sondern es ist die Königsdisziplin der Medizin, die im angloamerikanischen Raum einen eigenen Platz neben der Medizin einnimmt. So wird auch alljährlich ein Nobelpreis für Medizin und Physiologie verliehen. In der Therapie- und Gesundheitsbranche wollen wir durch unsere Angebote dieses komplexe System des Menschen ansprechen und ihn dadurch „gesünder“ machen, das fasziniert mich immer wieder von Neuem.

Der Betreiber eines gesundheitsorientierten Studios wird… drei Dinge tun: 1. sich zukunftsorientiert aufstellen, denn Krankheiten, die durch Bewegungsmangel erzeugt oder verstärkt werden, werden immer häufiger, setzen zudem in immer jüngerem Alter ein und eine insgesamt älter werdende Bevölkerung, wird älter mit oder trotz Bewegungsmangel. 2.  durch selbsternannte Experten häufig vollkommen falsch beraten und Sie können sich vorstellen, dass sich mir als Physiologen, der viele Jahre in der Grundlagenwissenschaft gearbeitet hat, bei so manchen Werbeaussagen der Magen umdreht. In meiner Beobachtung ist jede zweite Aussage, die da getroffen wird, aufgrund der Medizinprodukterichtlinie und des Heilmittelwerbegesetzes zu beanstanden. Für den Laien ist es dabei fast unmöglich richtig von falsch zu unterscheiden, aber will es so wichtig ist, muss man es trotzdem versuchen. 3. in vielen Dingen umdenken müssen. Denn damit wird regelmäßig sein Publikum älter, d.h. die Kundenanforderungen ändern sich. Das Publikum wird aber nicht nur älter, sondern auch anders, die Motivationen ändern sich, die Ansprache, die Argumentationen und nicht zuletzt der Anspruch an Trainingsflächen und -geräte.

Der Beruf des Physiotherapeuten wird... wichtiger werden und sich verändern. Denn neben seinen Aufgaben in der Akut- und Schmerztherapie wird er solche in der Primär- und Tertiärprävention übernehmen und eine Funktion eines Gesundheitsberaters bekommen. Bewegungsmangel als Ursache von Krankheiten ist wissenschaftlich bewiesen und der Weg unserer Gesellschaft in zunehmende Bewegungslosigkeit ist vorgezeichnet. Mit Lieferdiensten und Mietscootern ändert sich auch der Alltag, das Berufsleben ist zu Zeiten von Industrie 4.0 und mit den Möglichkeiten der Digitalisierung ohnehin bewegungsärmer geworden. Das alles passiert unter dem Blickwinkel der Evolution rasend schnell, nämlich innerhalb nur ein, zwei Generationen, für diese Bewegungsarmut ist der menschliche Organismus nicht geschaffen. Da wir evolutionär nicht beschleunigen können, müssen wir Bewegungsräume schaffen und Physiotherapeuten werden dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Digitalisierung in der Branche wird… noch wichtiger werden, aber sie kann die Biologie nicht überlisten. Bewegung und Training wird immer analog bleiben, es geht dabei um Trainingsreize in der Muskulatur, um Trainingswiderstände, um physikalische, mechanische Bewegung. Die Digitalisierung wird aber helfen Training besser und effektiver zu machen, „time is money“ gilt in allen Bereichen unserer Gesellschaft und gilt auch im Training. Darüber hinaus wird Sie helfen den größten Feind von Training zu bekämpfen, das ist nämlich der Mensch selbst, oder besser gesagt das evolutionär angelegte Prinzip der Ökonomie unserer Organismus oder etwas plakativer gesprochen der innere Schweinehund.


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