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Zur Eventübersicht25.10.2024
„Wir wollen langfristig eine Lücke im Gesundheitssystem schließen“

Die Expansion von EGYM Wellpass hat nun auch die USA erreicht. Der Anbieter für Corporate-Fitness hat eine erstaunliche Entwicklung hingelegt und gewinnt kontinuierlich neue Partner dazu. Wir sprachen mit EGYM Wellpass Geschäftsführer Nicolas Stadtelmeyer über die aktuellen Herausforderungen und die nächsten Ziele.
Lieber Nicolas, Glückwunsch zum Markteintritt in den USA durch die Übernahme von FitReserve. Wie schätzt Du den Corporate-Fitness und Wellness-Markt in den USA ein?
Danke! Wir haben internationales Wachstum als strategisches Ziel ausgegeben und das bisher gut umgesetzt. Die USA mit dem weltweit größten Markt für Corporate Fitness hatten wir schon länger im Blick. Der Start dort ist nun für uns eine große Herausforderung, der wir uns gern stellen. Dieser Schritt unterstützt uns bei unserer angestrebten globalen Positionierung als Lösungsanbieter im Gesundheitsmarkt sehr gut: weg von Repair, hin zu Prevent.
Ihr habt Euch für einen B2B-Zugang über Firmen entschieden. Was ist aus Eurer Sicht der Vorteil gegenüber einem B2C-Modell?
Wir wollen langfristig eine Lücke im Gesundheitssystem schließen. Die Fitnessbranche in Deutschland macht einen Umsatz von 5 Mrd. € im Jahr. Durch Volkskrankheiten, sprich: Ausgaben für Rückenbeschwerden, Diabetes etc. (Volkskrankheiten) infolge eines ungesunden Lebensstils, entstehen viel höhere Kosten, nämlich 70 Milliarden! Wir sehen auf unserem Weg regelmäßiges Muskeltraining als einen signifikanten Beitrag zur Schließung dieser Lücke. Firmen sind dabei gute Partner für uns und können sich als Arbeitgeber mit einem starken Benefit positionieren. Wichtig ist für uns, dass alle Beteiligten profitieren. Die Firmen legen Wert auf eine große und vielfältige Auswahl. Für den Arbeitnehmer ist es attraktiv, wenn er auch einen finanziellen Vorteil hat. Wir legen daher Wert darauf, dass die Firmen mindestens 50 % der Kosten tragen.
Wie viele Mitarbeiter werden erreicht?
In der Regel schließen wir mit den Firmen einen Vertrag über zwei Jahre ab. Bis das Angebot alle interessierten Mitarbeiter erreicht, dauert es in der Regel ca. 18 Monate. Unser Ziel ist eine Teilnahmequote von mindestens 30 % in dieser Periode.
Zuletzt sprachen wir vor fast genau drei Jahren. Wie beurteilst Du die Entwicklung seitdem?
Ich bin sehr stolz auf das Erreichte, wir sind Marktführer in Deutschland und Frankreich, zudem in Österreich, Belgien, Großbritannien und den USA aktiv. In diesen Ländern sehen wir gute Chancen und wollen uns relevante Marktanteile sichern. Dennoch stehen wir erst am Anfang der Entwicklung, denn der Markt hat noch so viel Potential. Nur ein Beispiel dazu: in Deutschland können etwa 3 Mio. Arbeitnehmer in unserem Netzwerk trainieren. Das sind aber nur 3 von 43 Mio. Arbeitnehmern insgesamt.
Was sind aktuell Eure Schwerpunkte?
Die einzelnen Länder befinden sich in unterschiedlichen Phasen. Während wir in Deutschland fest etabliert sind und am Ausbau des Partnernetzwerks und des Produktangebots arbeiten, steht woanders beispielsweise das Rebranding im Fokus. Wir treten in Folge der Übernahmen noch nicht überall als EGYM Wellpass auf, werden das aber anpassen.
Wie siehst Du aktuell die Stimmung in der deutschen Fitnessbranche?
Im Vergleich zu 2021 und Corona natürlich klar verbessert. Es gab Nachholeffekte und das befürchtete Massensterben der Clubs ist ausgeblieben. Insgesamt hat die Branche Corona gut überstanden und der Blick geht nach vorne. Es entwickeln sich Modelle für neues Wachstum, wie beispielsweise Mikrostudios im urbanen Raum. Die Branche hat wieder von Abwehr auf Angriff umgestellt.
Wie zufrieden seid ihr mit der bundesweiten Abdeckung?
In Deutschland haben wir etwa 10.000 Anlagen in unserem Netzwerk. Zu den bekannten Ketten gehören beispielsweise die Life Fit Group, Elements, Holmes Place oder PRIME TIME fitness. Die Entwicklung stimmt. Ich gebe mich aber ungern „zufrieden“, denn es gibt, wie gesagt, noch viel Potential. Ich denke, jede Firma sollte ihrer Belegschaft eine Lösung wie EGYM Wellpass anbieten. Dafür müssen wir auch in allen Regionen vertreten sein.
Ihr deckt neben Training auch weitere Bereiche wie Ernährung, Entspannung oder mentale Wellness an. Was ist derzeit besonders gefragt?
Aus den Aktivitätsdaten ergeben sich interessante Trends. Die meisten Kunden haben eine Stamm-Einrichtung, zu der sie regelmäßig gehen. Muskeltraining ist beliebter als Cardio-Training. Bei den Zusatzangeboten sehen wir eine steigende Nachfrage nach mentaler Gesundheit.
Welche weiteren Maßnahmen sollen die Expansion vorantreiben?
Zum einen bauen wir die Anzahl der Partnerfirmen und unser Standort-Netzwerk stetig aus. Ich erhoffe mir zudem positive Effekte von EGYM Genius. Diese Innovation wird die Nutzererfahrung optimieren und damit ein effektives Training unterstützen. Durch die enge Zusammenarbeit mit EGYM ergeben sich natürlich weitere, spannende Synergieeffekte.
Welche weiteren Regionen oder Länder sind für eine Expansion interessant?
Interessant sind für uns vor allem Nordamerika und Europa, beispielsweise Skandinavien.
Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Philipp Hambloch.
Bildnachweis: EGYM GmbH
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