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24.03.2022

„Wir wollen den Wissenstransfer aus den Hochschulen in die Studios verbessern“

„Wir wollen den Wissenstransfer aus den Hochschulen in die Studios verbessern“

Interview mit Daniela Fond von NSCA Germany

Die National Strength and Conditioning Association (NSCA) ist eine gemeinnützige US-amerikanische Organisation, die sich für die Förderung des Berufsfeldes des Strength and Conditioning Coaches auf der ganzen Welt einsetzt. Ein wichtiges Ziel dabei ist die Funktion als Brücke zwischen Trainingswissenschaft und deren Anwendung im Studio.

Seit kurzem gibt es die deutsche Tochter (Chapter) NSCA Germany. Deren erste Conference im Dezember 2021 soll erst der Anfang gewesen sein. Daniela Fond spricht im Interview über ein „derzeit ehrenamtliches Langzeitprojekt“.

TT-DIGI: Liebe Daniela, Glückwunsch zu einem gelungenen Auftakt-Event im Dezember 2021. Wie fällt eure Bilanz aus?

Daniela Fond: Vielen Dank. Ich bin überglücklich über den erfolgreichen Kick-off. Die Resonanz-Zahlen bestätigen ein großes Interesse am Thema Strength & Conditioning in Verbindung mit der NSCA. Das Feedback war durchweg positiv. Danke auch nochmal an das IST-Team für die großartige Übertragung des Events!

TT-DIGI: In welcher Beziehung steht NSCA Germany zur „Mutter“ NSCA?

Daniela Fond: Das etablierte globale Model der NSCA gilt als Vorlage, ist jedoch nicht bindend und erfordert einen eigenen Aufbau der Strukturen in Deutschland. Wunsch und Ziel ist die Eigenständigkeit durch deutsche Inhalte, deutsche Trainingswissenschaftler und deutschsprachige Speaker auf Konferenzen Inhalte der Sportwissenschaften und vor allem deren Anwendung im Sport, Leistungssport, Fitness, der Athletik sowie im Strength & Conditioning zu vermitteln. Konkret ist das Ziel, eine deutsche S&C Community aufzubauen, die sich austauscht und fortbildet. Andererseits bietet der Anschluss an die globale NSCA Community die Chance, uns international auszutauschen, Ansätze zu diskutieren, internationales fundiertes Wissen zu erhalten und zu teilen, aber auch die deutschsprachige Trainingswissenschaften international in der NSCA zu vertreten. Zusammenarbeit gibt es also auf vielen Ebenen. Durch das Education Recognition Program der NSCA (ERP) haben Institute, in erster Linie Universitäten, jetzt auch in Deutschland die Chance Studenten NEBEN dem nationalen Abschluss den internationalen, anerkannten Abschluss zum Certified Strength & Conditioning Specialist (CSCS®) anzubieten. Die IST-Hochschule ist erster Anbieter dieses Programms.

TT-DIGI: Welche Vorteile bietet ein Studiengang mit NSCA-Akkreditierung?

Daniela Fond: Der Austausch und die Anbindung an das globale Netzwerk eröffnen neue Möglichkeiten. Die Akkreditierung und damit die Zusammenarbeit mit der NSCA bietet deutschen Institutionen ein internationales, zusätzliches Qualitätssiegel. Und die Absolventen bekommen neue Perspektiven für Jobs im Ausland.

TT-DIGI: Stichwort Brückenfunktion. Welches Ziel verfolgt ihr bei NSCA Germany?

Daniela Fond: Ich bin absolut von der deutschen Trainingswissenschaft überzeugt. Im deutschsprachigen Raum ist der Wissenstransfer aus der Hochschule hin zur Anwendung beim Training aus meiner Sicht verbesserungswürdig. Hier sind uns andere Länder voraus, insbesondere die USA, wo das Berufsfeld Strength & Conditioning mit engem Bezug auf die Trainingswissenschaft seit vielen Jahren existiert. Eine deutsche gemeinnützige Organisation, die die Brücke zwischen Trainingswissenschaften und Anwendungsfeldern schließt, ein Qualitätsmanagement vorschlägt und die Interessengemeinschaft (Strength & Conditioning Community) zusammenführt und stärkt, fehlt derzeit in Deutschland.

TT-DIGI: Welche Ziele verfolgt ihr hinsichtlich der Ausbildungsqualität?

Daniela Fond: In Deutschland gibt es in dieser Hinsicht leider keinen Qualitätsstandard. Theoretisch darf sich jeder „Strength- & Conditioning Coach“ oder „Performance Coach“ nennen. S&C Coaches arbeiten jedoch mit Menschen an deren physischer und mentaler Gesundheit, also mit dem höchsten Gut. Der Beruf braucht in Deutschland mehr Anerkennung durch Standards wie eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Daran arbeiten wir.

TT-DIGI: Welche Projekte sind konkret für 2022 geplant?

Daniela Fond: Dieses Jahr steht einiges an. Zum einen wollen wir die NSCA Germany Plattform weiterentwickeln. Zudem bauen wir ein nationales NSCA Experten-Team auf. Ein aufwendiges Projekt ist die Übersetzung und die Herausgabe der „Essentials of Strength Training & Conditioning“, für die wir bereits einen Partner gefunden haben. In Vorbereitung ist zudem aufgrund der Nachfrage die Übersetzung und das Angebot der CSCS® Zertifizierung mit adaptiertem, deutschem Lehrgang.

TT-DIGI: Wird es dieses Jahr erneut eine S&C Conference geben?

Daniela Fond: Ja. Es kommt etwas Größeres. Wir dürfen als junges Chapter Ende 22 die Global NSCA Conference ausrichten. Hoffentlich live und mit viel Energie!

TT-DIGI: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin!

Das Interview führte Philipp Hambloch.


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