Therapie

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04.07.2022

Fragen über Fragen – und nichts vergessen?

Fragen über Fragen – und nichts vergessen?

Eine digitale Anamnese führt effizient zum Ziel

Die Befundung steht in der Therapie an erster Stelle der Behandlung. Denken Sie immer an all die vielen Details, die in der Krankengeschichte Ihres Patienten eine Rolle spielen könnten? Unterstützung kann auch hier die Digitalisierung bieten.

Günter Kränzlein, Masseur, medizinischer Bademeister, Physiotherapeut und Heilpraktiker, behandelt mit seinen Mitarbeitern in der Praxis monatlich ca. 2.200 Patienten. Der Praxisinhaber stellte vor ca. 10 Jahren fest, dass er zu viel Zeit für eine gute und gründliche Anamnese brauchte und doch immer wieder Details vergaß. Allerdings ist es sehr wichtig, in der Anamnese viele Fragen zu stellen.

Unser Körper mit all seinen Interaktionen führt oft dazu, dass die Lokalisation des Symptoms nicht mit dem Ort der Ursache einhergeht. „Es müssen die Wechselbeziehungen innerhalb des Organismus berücksichtig werden und es reicht nicht aus, nur Symptome zu behandeln“, so der 65- Jährige. Jeder Arzt und Therapeut sollte seiner Meinung nach fachübergreifend die Krankheitsgeschichte des Patienten überblicken.

Das gelte nicht nur für Heilpraktiker, sondern genauso für alle Physiotherapeuten und Fitnesstrainer. Es könnten beispielsweise Rückenprobleme durch Gallenerkrankungen entstehen oder Schulterschmerzen aufgrund von Kontrakturen in Bereich der Bauch- oder Hüftmuskulatur.

Das ist der Hintergrund, weshalb Günter Kränzlein begann, mit vorgefertigten Formularen und Fragen die Anamnese zu standardisieren. Sein Ziel war es, möglichst viele Informationen über den Patienten zu generieren. Doch damit stieg der Papierkram ins Unermessliche. Die Daten wurden immer umfangreicher und detaillierter. Was tun? Er entwickelte die Idee, die Anamnese zu digitalisieren. TT-DIGI fragte nach.

TT-DIGI: Welche Erleichterung bringt die digitale Anamnese?

Günter Kränzlein: Die von mir entwickelte Anamnese spart enorm Zeit und wichtige Details werden nicht vergessen. Die vom Patienten angekreuzten Checkboxen und Angaben werden in der Software analysiert und berechnet. Damit bekommt der Therapeut zusammengefasste Informationen über mögliche Ursachen der Krankheitsbilder. Gleichzeitig werden via Links Therapiemöglichkeiten angezeigt, wie manuelle Techniken, Phytotherapie, Techniken aus der Osteopathie, infrage kommende homöopathische Mittel oder Akupunkturpunkte. Nimmt der Patient Medikamente oder Mikronährstoffe ein, so zeigt die Auswertung entsprechende Nebenwirkungen und Wechselwirkungen an. Der Therapeut kann daraufhin bei Bedarf nochmals gezielt nachfragen.

Welche Frage haben Sie beispielsweise mal vergessen und der Patient ebenso?

Beispielsweise die Frage nach einem Unfall in der Vergangenheit, der nach vielen Jahren aufgrund von Kompensationsprogrammen des Nervensystems Schmerzen hervorgerufen hat.

Welche Konsequenz hatte das für die Therapie?

Ich benötigte deutlich mehr Behandlungen, um zu erkennen, wo die wirkliche Ursache lag. Hat man einen ungeduldigen Patienten, ist er weg und kommt nie wieder.

Der Patient kann im Vorfeld zu Hause den Anamnesebogen ausfüllen. Welchen Vorteil bringt das einem Therapeuten?

Die Auswertung wird automatisch verschlüsselt der Praxis übermittelt. Der Therapeut hat in weniger als fünf Minuten einen Überblick über die gesamte Krankheitsgeschichte des Patienten und bekommt außerdem sofort Therapievorschläge. Dadurch findet in gewisser Hinsicht ein Lernprozess statt und für den Therapeuten eröffnen sich neue Aspekte. Eingefahrene Techniken und Sichtweisen können hinterfragt und überprüft werden.

Wie können Fitnesstrainer eines gesundheitsorientierten Studios das Tool einsetzen?

Das geschieht wie in einer Praxis. Der Trainer bekommt ohne großen Zeitaufwand einen allumfassenden Überblick über die Gesundheit des Patienten. Dabei spielt nicht nur der Bewegungsapparat eine Rolle, sondern vor allem auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufs-Systems, Operationen, Medikamente und vieles andere. Eine Anamnese ist hier genauso wichtig wie in jeder Praxis.

Wie wird die Auswertung gestaltet – mit grafischen Elementen?

Grafische Elemente findet der Therapeut beispielsweise in der Auswertung der Ernährung. Hier wird in einem Balkendiagramm das Verhältnis zwischen säure- und basenreichen Nahrungsmitteln dargestellt, die der Patient zu sich nimmt. Im Übrigen werden die vom Patienten eingenommenen Medikamente mit Neben- und Wechselwirkungen sowie je nach Krankheitsbild wichtige mögliche Ursachen angezeigt. Das können Leberbelastungen, Muskelstörungen, Darmhinweise und vieles andere sein.

Welche Datenschutzmaßnahmen stehen für die Sicherheit?

Die Daten werden verschlüsselt auf einen Server geladen und nur der Praxisinhaber hat über ein Passwort Zugang. Bevor der Patient die Anamnese ausfüllt, muss eine Datenschutzerklärung akzeptiert werden.

Hat sich die Einstellung zur digitalen Anamnese aufgrund der Pandemie verändert?

Natürlich haben viele durch die gegebenen Bedingungen der Pandemie ihr Verhalten diesbezüglich verändert, ob im Einkauf von Waren oder im Homeoffice, Schule und Universität. Mit dem Generationswechsel ist die Digitalisierung sowieso nicht aufzuhalten. Die Kinder wachsen mehr und mehr mit einer absoluten Selbstverständlichkeit dazu auf. Selbst ältere Menschen sind offen dafür. Das kann man auch bei mir im Alter von 65 Jahren sehen. Das Leben unterliegt einem ständigen Lernprozess, dem sich keiner verschließen sollte!

Kann eine interessierte Therapieeinrichtung, ein interessiertes Studio bei Ihnen das Programm erwerben?

Das Programm ist nicht zu kaufen, sondern wird für unter 100 Euro vermietet und stetig weiterentwickelt. Durch eine ausführliche Anamnese ist jeder Arzt und Therapeut auf der sicheren Seite. Es ist allerdings auch möglich, das Tool über einige Wochen kostenlos zu testen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Reinhild Karasek.

 

Bild: © Shutterstock.com_1991333108_Prostock-studio


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