Therapie

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17.06.2024

Die wirtschaftliche Sicht auf Ihre Mitarbeiter

Die wirtschaftliche Sicht auf Ihre Mitarbeiter

Das Gold liegt auf der Straße, Teil 3

Zu dem Thema Mitarbeiter lassen sich endlos viele Regale füllen. Das Thema ist nun einmal das Bestimmende in den Physiotherapiepraxen. Zu Recht, weil es die Wirtschaftlichkeit und den Erfolg der Praxis wie keine andere Stellschraube bestimmt. Ich möchte heute jedoch daraus eine simple Sichtweise beschreiben – die der Zahlen.

Es betrifft meistens die Einzelunternehmer

Die dominante Rechtsform in der ambulanten Physiotherapie ist das Einzelunternehmen. Mit rund 87% Anteil aller Praxen können wir uns also da rauf konzentrieren. Denn hier wird der Zusammenhang zwischen Mitarbeiter und Wirtschaflichkeit der Praxis besonders deutlich. Der Rest teilt sich auf in Personen gesellschaften (11,8%) und Kapitalgesellschaften (1,0%, Quelle: 1. Eckdatenstudie Physiotherapie, Download unter www.studiephysiotherapie.de).

Einzelunternehmer und Mitarbeiter

Rund 5,6 Mitarbeitende hat eine Praxis (*Eckdatenstudie Physiotherapie). Der Rahmen bewegt sich dabei zwischen einem und 20 Beschäftigten. 8,6% der Praxen sind sogar „Einpersonenbetriebe“ ganz ohne Mitarbeiter. Der Anteil der weiblichen Beschäftigten im Bereich der Physiotherapie liegt bei ca. 76 Prozent. Die Teilzeitquote liegt im Physiotherapiebereich bei 52 Prozent.

Bei einer Spanne zwischen 1.500 Euro und 3.700 Euro belief sich Anfang 2023 das Einstiegsgehalt im Durchschnitt auf 2.606 Euro brutto im Monat (Eckdatenstudie). Auch dies kann bei der dynamischen Entwicklung in diesem Bereich nur eine Momentaufnahme sein und bildet das Einstiegsgehalt ab. Es gibt Stimmen im Markt, die betonen, dass der durchschnittliche Bruttolohn nun schon bei 3.800 Euro für eine Vollzeitstelle liegt, Tendenz schnell steigend Richtung 4.000 Euro, so dass man mit der Erfassung kaum hinterherkommt.

Bei einer Vollzeitstelle von 40 Stunden/Woche rechnen wir mit einem Multiplikator von 4,33 und kommen somit auf 173 Stunden/Monat Arbeitszeit. Unter Berücksichtigung von Urlaub, Feiertagen, durchschnittlichen Krankheitstagen und fehlenden Arbeitsstunden wegen fehlerhafter Auslastung in der Praxis kalkulieren wir einen weiteren Abzug von 30% und kommen auf tatsächliche Arbeitsstunden von 121 im Monat. Dieser „Ritt“ durch die Zahlen bildet nun die Basis für folgende Überlegungen:

Mitarbeiterumsätze und Mitarbeiterkosten

Was erwirtschaftet ein therapeutischer Mitarbeiter nach Abzug seiner Personalkosten eigentlich? Bei den Einnahmen beläuft sich der GKV-Umsatzanteil je nach Praxisgröße auf 75% bis 90%. Bei den Ausgaben fallen insbesondere die Personalkosten ins Gewicht.

Die Mitarbeiterumsätze

Die monatlichen Mitarbeiterumsätze generieren sich also aus der Kassen - abrechnung inklusive der Zuzahlung und die der Privatabrechnung in dem oben beschriebenen Verhältnis. So kann es in einem Beispiel bei drei angestellten „Vollzeit-Therapeuten“ und bei Kassenumsätzen in Höhe von 24.979 Euro und einem Privatabrechnungsanteil von 10.000 Euro zu monatlichen Gesamt-Praxiseinnahmen von 34.979 Euro kommen, wenn der Inhaber als vierter Therapeut ebenfalls in zumindest gleichem Maße Therapien erbringt, die in die Einnahmen einfließen.

Die Personal-Kosten

Die Personalkosten betragen bei diesen 3 Vollzeit-Mitarbeitern 15.000 Euro inklusive den AG-Anteilen. Diese ergeben sich aus einem Brutto-Entgelt in Höhe von monatlich 4.000 Euro zusätzlich einem Arbeitgeberanteil von 25%. Der Inhaber als vierter Therapeut wird in den Personalkosten nicht berücksichtigt. Sein Unternehmerlohn ergibt sich aus dem Betriebsergebnis und seiner Entnahme daraus. Diesen legt er für sich in diesem Beispiel mit 8.000 Euro fest.

Dieses Betriebsergebnis beträgt tatsächlich durchschnittlich „nur“ knapp 7.900 Euro/monatlich. Ein Unternehmerlohn daraus in Höhe von 8.000 Euro ist somit eigentlich nicht vertretbar, da er in einem durchschnittlichen Monat Alles entnimmt, und sich keinen gesunden Puffer aufbauen kann. Einbußen in seinem Gehalt will er jedoch auch nicht hinnehmen.

Wie kann der Inhaber aus diesem Dilemma kommen?

Die Lösungsansätze

››› Taktung anpassen: Viele Wege führen nach Rom – und Zahlen können die Lösungsansätze auf Machbarkeit unterstützen. Diese Praxis hat in der Position der KGEinzel einen Behandlungstakt von 30 Minuten und behandelt streng genommen länger, als die Kostenträger vergüten. Denn die Regelbehandlungszeit beträgt 15–25 Minuten. Eine Umstellung auf eine Behandlungsdauer von 20 Minuten unter gleichen Bedingungen und einer Warteliste an Patienten bringt einen monatlichen Umsatz von insgesamt rund 41.000 Euro und ein Betriebsergebnis von 14.044 Euro gegenüber 7.900 Euro ohne diese Umstellung.

Neben der Sicherstellung seines Unternehmerlohns kann der Inhaber darüber hinaus nachdenken, eine Rezeptionskraft einzustellen, die den Therapeuten den überbordenden administra tiven Aufwand abnimmt, so dass diese sich auf das konzentrie ren können, was diese am liebsten machen – therapieren.

››› Mitarbeiter aufstocken: Mit der Einstellung weiterer Therapeuten entwickelt sich unter normalen Umständen das monatliche Betriebs - ergebnis positiv. In unserem Beispiel würde eine weitere therapeutische Vollzeitkraft rund 7.800 Euro pro Monat für die Praxis „einspielen“. Dem steht ein Personalkostenanteil inkl. Arbeit - geber-Anteil von 5.000 Euro entgegen. Die Differenz von beidem steigert das monatliche Praxisergebnis unmittelbar.

Beide Maßnahmen sind natürlich auch kombinierbar.

Fazit:

In beiden Fällen ist es der Mitarbeiter, auf den es ankommt. Einerseits als Bestandsmitarbeiter bereit und motiviert zu sein, zukünftig anders zu arbeiten, anderseits die Tatsache, dass jeder neue Mitarbeiter sich unmittelbar im Betriebsergebnis positiv auswirkt.

Falls keines der beiden Beispiele für Sie in Frage kommt, gibt es reichlich andere Möglichkeiten im Zusammenspiel von den Mitarbeitern mit Patienten, Praxisangeboten und dem Thema der Organisation und Planung der Praxis erfolgreicher zu werden. Spielen Sie das doch einmal gedanklich durch. Gerne können Sie sich auch bei mir melden.

Christoph Soldanski

Bild: ©shutterstock.com_2162088077

 


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