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22.05.2026

BGF als Wachstumschance auch für kleinere Einrichtungen

BGF als Wachstumschance auch für kleinere Einrichtungen

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Schaut man auf vollzeit - beschäftigte Arbeitnehmende in Deutschland, so verbringen diese ca. 1.600 Stunden im Jahr am Arbeitsplatz, was rund einem Fünftel des gesamten Jahres entspricht. Vor diesem Hintergrund wird es für Unternehmen aller Art und Branche zunehmend wichtiger, Verantwortung für die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu über nehmen. An dieser Stelle setzt die Betriebliche Gesundheits förderung (BGF) an. Dabei handelt es sich um einen Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM).

Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt BGF als ein ganzheitliches Maßnahmenpaket, das der gesundheitlichen Beanspruchung der Arbeitnehmenden in einem organisierten Rahmen entgegenwirken soll. Beispiele dafür sind Gesundheits - tage, innerbetriebliche Präventions - kurse oder auch die Bereitstellung von Ansprechpartnern bei psychischen Problemen.

Laut „Präventionsbericht 2025“ der GKV wurden im Berichtsjahr 2024 knapp 30.000 Betriebe erreicht und damit so viele wie noch nie zuvor. Diezunehmende Bedeutung einer Betrieblichen Gesundheitsförderung lässt sich auch an Ausgaben der GKV erkennen: so haben sich die Ausgaben seit 2014 mit aktuell 282 Millionen Euro vervierfacht.

Und auch die deutschen Unternehmen erkennen zunehmend die Bedeutung der Betrieblichen Gesundheit. Im Rahmen der Studie „#whatsnext - Gesund arbeiten in herausfordernden Zeiten“ vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) wurde unter anderem erhoben, in welchem Ausmaß deutsche Unternehmen BGM- oder BGF-Interventionen umsetzen. Dabei gaben knapp 31 Prozent der befragten Unternehmen Anfang 2025 an, dass in ihrem Betrieb bereits einzelne Maßnahmen um gesetzt werden.

Betriebliche Gesundheit ist ein Thema, welches bereits von überregionalen Big-Playern (z.B. Hansefit) bespielt wird.

Chancen für kleinere Gesundheitsanbieter

Auch kleinere Einrichtungen haben sehr gute Chancen, vom wachsenden Markt der betrieblichen Gesundheit zu profitieren. Denn gegenüber großen Anbietern punkten sie insbesondere durch Nähe, Flexibilität und Praxisorientierung. Diese Vorteile nutzen und schätzen vor allem kleine, mittelständige Unternehmen (KMU):

Nähe schafft Vertrauen

  • ❯ regionale Unternehmen bevorzugen lokale Partner
  • ❯ persönliche Betreuung statt „anonymer Großanbieter“

Spezialisierung auf muskuloskelettale Beschwerden

  • ❯ Hauptproblem in Unternehmen und verantwortlich für hohe Ausfallzeiten

Flexibilität

  • ❯ individuelle Angebote statt Standardprogramme
  • ❯ schnelle Anpassung an Unternehmensbedürfnisse
Dabei bedienen sich die kleineren Einrichtungen auf der Basis vorhandener Expertise und fokussieren sich auf Inhalte, die konzeptionell nah am eigentlichen Tagesgeschäft liegen, wie Bewegungsangebote, Gesundheits-Workshops oder Gesundheitschecks.
 

Was jetzt zu tun ist

Um den Markt der Betrieblichen Gesundheit auch als kleinerer lokaler Anbieter bespielen zu können, ist eine strukturierte Vorgehensweise wichtig. Dabei gilt es, folgende Punkte zu berücksichtigen:
 

1. Modulare Angebote schaffen

Als lokaler oder regionaler Anbieter geht es nicht darum im Konzert der großen BGM-Konzepte mitzuspielen. Vielmehr müssen kleinere aber klar definierte Angebotspakete geschnürt werden, z.B.:

  • ❯ Ergonomie-Beratung
  • ❯ Gesundheitsscreenings
  • ❯ Impuls-Workshop Gesundheit
  • ❯ Gesundheits-Workshops (für Mitarbeiter und Führungskräfte)
  • ❯ Gesundheitszirkel ❯ Bewegte Pause
  • ❯ 8-Wochen-Bewegungskurse
  • ❯ Gesundheitstag.
2. Zertifizierung nach §20 SGB V
Unternehmen haben die Möglichkeit, sich Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheit fördern zu lassen. Voraussetzung dafür ist, dass der Anbieter den Kriterien zur Umsetzung von Präventionsmaßnahmen gemäß §20 SGB V entspricht.
 
In diesem Fall besteht einerseits die Möglichkeit eine steuerliche Förderung von 600 EURO pro Jahr und Mitarbeitenden zu bekommen. Andererseits kann die jeweilige Maßnahme von den Krankenkassen nach §20 oder §20b SGB V bezuschusst werden. Im Rahmen eines Kooperationsgesprächs mit Unternehmen sind das zwei schlagkräftige Argumente für eine spätere Zusammenarbeit. Zudem können konkrete Präventionskurse im Bereich Bewegung/Entspannung angeboten werden, wenn man über die entsprechenden Konzepte verfügt und über die Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert ist.
 
3. Positionierung und Marketing
 
Klare Botschaften erleichtern die Ansprache. So ist es für kleinere Einrichtungen enorm wichtig, sich mit einem spezialisierten Fokus zu positionieren. Dementsprechend solle es sich bei bewegungsorientierten Einrichtungen auch im Schwerpunkt um Bewegung drehen. Botschaften wie „Mehr Bewegung für gesunde Mitarbeitende“ sollten dann auf der Homepage und in den sozialen Netzwerken vermittelt werden.
 
Ein solcher Fokus, vielleicht sogar kombiniert mit der Reduzierung eines bestimmten Krankheitsbildes (insbesondere Rückenbeschwerden), erleichtern den Einstieg in das Gespräch mit dem Unternehmen und wecken Interesse. Niedrigschwellige Einstiegsoptionen mit der Aussicht auf langfristige Kooperationen öffnen die Tür ins Unternehmen noch ein Stück weiter.
 

Wachstumspotential nutzen

Insgesamt bietet das Thema Betriebliche Gesundheit somit auch für kleinere lokal oder regional begrenzte Einrichtung ein erfolgreiches wirtschaftliches Wachstumspotenzial. Wichtig ist dabei, sich auf sein regionales Umfeld zu begrenzen und mit seinen Kernkompetenzen im Bewegungsbereich sowie seiner Flexibilität und räumlichen Nähe zu punkten. Klare modulare Angebotsstrukturen schaffen einen guten Zugang ins Unternehmen, wenn der daraus resultierende Nutzen gut kommuniziert wird. Denn dann liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht in der Größe der eigenen Einrichtung, sondern in seiner Nähe und Flexibilität.
 

AUTOR
Christian Kunert ist Dozent an der IST-Hochschule in den Bereichen Gesundheitsmanagement und Prävention sowie Gesellschafter und Geschäftsführer Akademie für Prävention & Fitness GmbH (www.akapraefit.de) und Inhaber von KunertGesundheit (www.kunertgesundheit.de).
 

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