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01.10.2022

Sprechen Sie „Bank“?

Sprechen Sie „Bank“?

Teil 3: Finanzierung durch Bankkredite

Ein Neuerwerb kann ins Geld gehen. Auf Ratenkauf und Leasingmöglichkeiten sind wir bereits im letzten Beitrag eingegangen. Wie sieht es mit einer Finanzierung aus?

Die Ziele der Finanzierung bzw. die Aspekte, die ein Unternehmen bei Finanzierungsentscheidungen berücksichtigt und abwägt, umfassen Liquidität, Unabhängigkeit, Rentabilität und Sicherheit. Das Ziel einer hohen Rentabilität ist immer mit einem höheren Risiko, also einer geringeren Sicherheit verbunden. Deshalb empfehle ich, sich vor einem Finanzierungsgespräch über die verschiedenen Aspekte Klarheit zu verschaffen.

Rentabilität versus Sicherheit versus Unabhängigkeit

Ziel eines Unternehmens ist es, eine hohe Rentabilität zu erzielen. Die Rentabilität wird durch die Wahl der Finanzierungsmittel beeinflusst: Zum einen mindern Kreditzinsen den Gewinn, zum anderen wird durch den Fremdkapitaleinsatz der Eigenkapitalanteil geringer, was zu einer höheren Eigenkapitalrendite führen kann. Das Risiko hingegen nimmt zu, die Unabhängigkeit sinkt mit steigender Verschuldung.

Nutzung der Kreditlinie/Rahmenkredit

Jeder von Ihnen hat auf seinem Konto einen Kreditrahmen, den er flexibel nutzen kann. Der Zinssatz für diese Rahmenkreditvereinbarungen, der sogenannte Dispokredit, ist meist um einiges höher als bei einer Festkreditvereinbarung und kann jederzeit durch die Bank angepasst werden. Ebenso kann der Dispo jederzeit reduziert werden, was den Handlungsspielraum einschränkt. Die Rahmenkreditlinie eignet sich, um vorübergehende Liquiditätsengpässe auszugleichen.

Sofern diese jedoch nicht nur vorübergehend sind, sollten Sie mit Ihrem Berater sprechen und ein Festdarlehen abschließen. Zur Finanzierung von Investitionsgütern empfehle ich dies von Beginn an.

Abschluss eines Festdarlehens

Wenn Sie an die goldene Finanzierungsregel denken, dann eignet sich ein Festdarlehen – wenn Sie sich gegen Leasing entscheiden – für die Finanzierung von Investitionsgütern. Berechnen Sie vor dem Gespräch die Summe, die Sie monatlich zur Rückzahlung aufwenden können. Danach richtet sich dann die Laufzeit ihres Darlehens.

››› Beispiel:

  • Rückzahlungsbetrag inkl. Zins und Tilgung: 100.000 EUR
  • Monatl. Zahlungsfähigkeit: 5.000 EUR
  • Laufzeit: 20 Monate

Je geringer die monatliche Zahlungsfähigkeit ist, desto länger läuft das Festdarlehen. Wählen Sie den Zinssatz kongruent zur Laufzeit, dann sind Sie vor unliebsamen Überraschungen geschützt. 

››› Festdarlehen

Vorteile:

  • Planungssicherheit
  • Feste Regeln zu Zinssatz, Tilgungsanteil, Laufzeit
  • Zinsen sind steuerlich absetzbar

Nachteile:

  • Vertragsänderungen (z.B. eine vorzeitige Rückzahlung) sind nicht möglich
  • Kreditinstitute verlangen oft Sicherheiten
  • Ausführliche Bonitätsprüfung
  • Abhängigkeit vom Kreditinstitut

Bedenken Sie, dass eine Zinsreduktion am Kapitalmarkt nicht an Sie weitergegeben wird, eine Erhöhung allerdings auch nicht.

Kategorien von Kreditsicherheiten

Es wird zwischen personenbezogenen Sicherheiten und Sachsicherheiten unterschieden. Zu den Personen/Personalsicherheiten gehören beispielsweise Bürgschaften. Kreditinstitute fordern sie gegebenenfalls von Ihnen ein. Sie haften dann als Unternehmer mit Ihrem gesamten Vermögen für die Verbindlichkeiten Ihres Unternehmens. Genau dies ist ein Punkt, den Sie sich bei einer Finanzierung durch eine Bank immer bewusst machen sollten.

Ein Beispiel soll Ihnen das verdeutlichen: Sie sind 55 Jahre jung, besitzen eine abbezahlte Immobilie und haben 100.000 Euro auf dem Privatkonto, zur Altersvorsorge. Dann geschieht das Unerwartete: Sie müssen Ihr Unternehmen vorübergehend schließen, erleben einen Umsatzeinbruch und können die Bankdarlehen nicht mehr bedienen. Die Bank wird im Worst Case zuerst das schnell verwertbare Vermögen einfordern und sich dann an Ihrer Immobilie schadlos halten. Sie müssen sich entscheiden: Nehmen Sie einen Kredit mit Grundschuld aufs Haus auf oder verkaufen Sie die Praxis? An welchem Punkt ziehen Sie als Unternehmer die Reißleine? Dies ist eine enorm wichtige Frage, wenn Sie mit Ihrem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Praxis haften.

Zu den Sachsicherheiten (dingliche Sicherung) gehören die Dinge, die verwertet werden können wie Grundschulden, sicherungsübereignete Geräte oder Einrichtungsgegenstände.

Wie sieht es nun im Vergleich dazu aus, wenn Sie Eigenkapital einsetzen? Darauf gehen wir im nächsten Beitrag ein.

Sabine Tscharntke

 


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