Recht & Steuer

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04.10.2022

Änderungen bei Mini-Job, Midi-Job und Mindestlohn

Änderungen bei Mini-Job, Midi-Job und Mindestlohn

Neue sozialversicherungsrechtliche Regelungen zum 1. Oktober 2022

Ob für den Empfang oder die Anmeldung, Reinigungsarbeiten oder die vorbereitende Buchführung – auch in Physiotherapiepraxen und in Fitness-Studios sind Mini- und Midi-Jobber gern eingesetzte Mitarbeiter. Was sich im Herbst ändert, lesen Sie hier.

Meist ist mit Mini- oder Midi-Jobbern ein bisschen mehr Flexibilität gegeben, als das bei Vollzeitangestellten möglich ist. Das macht es dem Unternehmer leichter, auf kurzzeitige oder spontane Personalengpässe durch Urlaubs- oder Krankheitszeiten reagieren zu können. Dabei ist der Gehaltsaufwand für Mini- oder auch Midi-Jobber nicht unbedingt geringer als bei Festangestellten. Im Gegenteil: Gerade in diesen Fällen gibt es für den Arbeitgeber regelmäßig einige Neuerungen zu beachten.

So steigt der gesetzliche Mindestlohn in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal.

Er beträgt: 9,82 Euro pro Stunde für die Monate Januar bis Juni 2022,

10,45 Euro pro Stunde für die Monate Juli bis September 2022,

12,00 Euro pro Stunde ab dem 1. Oktober 2022.

Doch wie der Name schon sagt, ist dies nur ein Mindestwert. Denn sofern ein branchenweit geltender oder für allgemein verbindlich erklärter Tarifvertrag einschlägig ist, muss der Arbeitgeber selbstverständlich eine Vergütung oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns zahlen.

Der erhöhte Mindestlohn hat auch Auswirkungen auf die Berechnung der steuerfreien Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit. Die Bemessungsgrundlage für diese steuerfreien Zuschläge richtet sich grundsätzlich nach dem vertraglich vereinbarten Bruttostundenlohn. Die Höhe der Zuschläge wirkt sich wiederum auf die Berechnung der Bemessungsgrundlage für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bzw. bei Urlaub aus. Hier ist vom üblicherweise gezahlten Entgelt auszugehen. Daher sind

regelmäßig gezahlte Zuschläge für Arbeiten während der Nachtstunden und an Sonn- und Feiertagen in die Bemessungsgrundlage einzubeziehen. Solche „fiktiven“ Zuschläge sind steuer- und damit auch beitragspflichtig, da ihnen keine tatsächlich erbrachten Arbeitsstunden gegenüberstehen.

Mini-Jobber dürfen 70 Euro mehr verdienen

Auch für die Mini-Job-Grenze hat der Mindestlohn Bedeutung. Statt der bisherigen monatlichen 450-EuroGrenze gilt ab 1. Oktober 2022 ein neuer monatlicher Wert von 520 Euro. Dieser orientiert sich künftig an einer Wochenarbeitszeit von zehn Stunden zu Mindestlohnbedingungen und ist somit dynamisch ausgestaltet. Das bedeutet, dass kein fester Euro-Betrag mehr im Gesetz festgehalten wird, sondern die Geringfügigkeitsgrenze je nach Höhe des Mindestlohns neu berechnet werden muss.

Da für Mini-Jobber das ausbezahlte Entgelt durch die Zahl der regelmäßig zu arbeitenden Stunden zu teilen ist, sind monatlich nur noch maximal 43 Zeitstunden erlaubt, um die Geringfügigkeitsgrenze einzuhalten (520 Euro : 12 Euro).

Wird die vertragliche Arbeitszeit nicht auf 43 Stunden oder weniger angepasst und der Arbeitgeber zahlt den gesetzlichen Mindestlohn, wird die Geringfügigkeitsgrenze überschritten und aus dem Mini-Job wird ein sozialversicherungspflichtiger Midi-Job. Wird bei gleicher Arbeitszeit die Vergütung nicht angepasst, verstößt der Arbeitgeber gegen das Mindestlohngesetz und gegen sozialrechtliche Vorschriften. Der Arbeitgeber schuldet die Sozialversicherungsbeiträge für das Entgelt, welches er zahlen müsste (Phantomlohn), der Arbeitnehmer kann die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohnes einklagen.

Erhöhung von 1.300 auf 1.600 Euro im Midi-Job-Bereich möglich

Zum 1. Oktober 2022 wird auch der sogenannte Midi-Job-Bereich ausgeweitet, in welchem Arbeitnehmer noch nicht ihren vollen Anteil zur Sozialversicherung entrichten müssen. Die Höchstgrenze für die Gleitzonenregelung beträgt jetzt 1.600 Euro statt vormals 1.300 Euro. Sogar eine weitere Erhöhung auf 2.000 Euro ab 1. Januar 2023 ist aktuell im Gespräch.

Neu ist die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der Gleitzone, die vor allem im unteren Bereich der Gleitzone zu einer versteckten Erhöhung der Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber führt. Während früher der Arbeitgeber den Sozialversicherungsbeitrag vom vollen Bruttogehalt zu zahlen hatte, ergibt sich jetzt der Arbeitgeberbeitrag aus der Differenz des Gesamtbeitrags und des Arbeitnehmerbeitrags. Dieser wird nach neuer Rechtslage mit einer gesonderten Formel berechnet.

Vollzeitjob, Mini-Job oder Midi-Job?

Betrachtet der Arbeitgeber die drei möglichen Anstellungsverhältnisse ausschließlich durch die finanzielle Brille und lässt die Flexibilität von Mini- und Midi-Job einmal außen vor, dann schneidet der Mini-Job vergleichsweise schlechter ab. Denn dieser ist für den Arbeitgeber merklich teurer als ein normales sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, bei dem er nur Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 19,975% (Arbeitgeberanteil) zuzüglich der Beiträge zu den Umlagen U1 und U2, zur Insolvenzgeldumlage und zur Unfallversicherung zu zahlen hat.

Beim Mini-Job dagegen zahlt der Arbeitgeber auf das Arbeitsentgelt eines Mini-Jobbers pauschale Beiträge (13% zur Krankenversicherung, 15% zur Rentenversicherung und in der Regel 2 % pauschale Lohnsteuer). Hinzu kommen 0,9% Umlage für Krankheitsaufwendungen (U1), 0,29 % Umlage für Schwangerschafts-/Mutterschaftsaufwendungen (U2), 0,09 % Insolvenzgeldumlage, in Summe also 31,28 Prozent, sowie individuelle Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung.

Midi-Jobs werden ab Oktober 2022 zwar für Arbeitgeber im unteren Bereich der Gleitzone ebenfalls teurer als bisher. Sie sind aber gegenüber Mini-Jobs immer noch vorteilhafter. Hinzu kommt, dass ein Mini-Jobber zeitlich nur sehr begrenzt eingesetzt werden kann. Im Endeffekt muss jeder Arbeitgeber individuell entscheiden, welche Kriterien für seine ganz persönliche Situation die entscheidenden sind.

Übergangsregelung bis Ende 2023

Für Arbeitnehmer, die am 30. September 2022 als Midi-Jobber mit einem Entgelt zwischen 450,01 Euro und 520 Euro tätig sind, gibt es eine Übergangsregelung. Sie werden ab 1. Oktober 2022 nicht automatisch zu MiniJobbern, sondern bleiben bis Ende 2023 sozialversicherungspflichtig in der Gleitzone. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz ermittelt sich für sie nach einem besonderen Faktor.

Janine Peine

Bild: © Shutterstock.com_767078206


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