Marketing & Management

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28.11.2022

Gute Mitarbeiter finden, fördern, binden

Gute Mitarbeiter finden, fördern, binden

Schritt 2: Gute Mitarbeiter fördern und binden – die Unternehmensperspektive

„Gute Mitarbeiter fallen nicht vom Himmel“ – Philip Dedekind, Physiotherapeut und Praxisinhaber in Erfurt, kennt das Problem seines Berufsstandes. Doch seine Praxis betrifft das nicht. Hat er ein Geheimrezept? Wie gelingt es ihm, seine Mitarbeiter für das Unternehmen nachhaltig zu begeistern, sodass sie gerne bei ihm bleiben?

"Vom Fachkräftemangel habe ich gehört. Den gibt es auch sicherlich ... aber nicht bei mir," das behauptet der Erfurter Therapie-Unternehmer. Ein Praxisbeispiel, wie es Gesundheitseinrichtungen gelingen kann, ihre Mitarbeiter langfristig für sich zu gewinnen. Christoph Soldanski von ZukunftPraxis unterhielt sich mit Philip Dedekind über seine Personalstrategie als Unternehmer.

Christoph Soldanski: Herr Dedekind, früher hieß die Devise vieler Chefs: Fördern und Fordern. Ist das bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation noch zeitgemäß?

Philip Dedekind: Wir sprechen ganz klar davon, und zwar genau in dieser Reihenfolge. Wir fördern und fordern dann. In unserer Küche hängt der schöne Spruch: „Lieber Ofen spende mir Wärme, dann bekommst Du auch Holz von mir“. Das funktioniert so herum nicht (lächelt). Natürlich ist jeder Mitarbeiter mit seinen Ansprüchen anders und das muss berücksichtigt werden. Aber generell fördern wir sehr massiv, wenn wir merken, dass sich Mitarbeiter weiterentwickeln wollen. Und dann muss man das Fordern anschließend nur selten erwähnen. Wir fordern vor allem, den Patienten als Kunden wahrzunehmen und ihm einen guten Service zu bieten.

Welche Kriterien stellen Sie bei der Förderung auf?

Als Führungskraft versuchen wir uns immer in die Perspektive des Unternehmens zu versetzen, weil wir nun einmal dafür die Verantwortung tragen. Im Sinne der Firma zu entscheiden heißt, sich zu fragen, welche Förderungen sinnvoll sind. Und das hängt immer stark vom jeweiligen Zeitpunkt ab. Es sind also stets individuelle Entscheidungen nach den derzeitigen Bedürfnissen der Praxis. Diese Entscheidungen sind immer nach vorne gerichtet. Sie basieren auf den folgenden Fragen: „Wo will ich hin?“, „Will ich gerade wachsen?“ und „Kann ich mich da jetzt als Unternehmen weiterentwickeln?“

Lassen sich per se Mitarbeiter durch Förderungen an das Unternehmen binden?

Das ist der Grund, weswegen wir das machen. Wir wollen die Mitarbeiter dadurch an das Unternehmen binden. Wie das formell gemacht wird, ist unterschiedlich. Ein anderes Beispiel macht das vielleicht deutlich. Eine Mitarbeiterin bekommt ein E-Bike als Dienstfahrzeug und kann es natürlich durchgehend privat nutzen. Das ist genau das, was sie möchte, und sie ist sehr glücklich damit. Das Entscheidende für mich ist, dass die Vertragslaufzeit für das E-Bike drei Jahre beträgt und so zur Mitarbeiterbindung beitragen kann.

Manche Arbeitgeber vernachlässigen ihr langjähriges Bestandspersonal. Wie ist dieser Reflex zu erklären?

Es ist eine Entscheidung, die man als Verantwortlicher trifft. Die beste unternehmerische Entscheidung in meiner Selbstständigkeit und als Inhaber ist es, gegenüber meinen Mitarbeitern aufmerksam zu sein. Nicht nur reden, sondern es tun – darauf kommt es an. Unsere Bereichsleiter führen jede Woche ein halbstündiges Gespräch mit jedem Einzelnen. Es kann auch nur verschoben werden, wenn der Mitarbeiter dazu sein „Go“ gibt – es ist sein Termin.

Wie reagieren die Mitarbeiter auf Änderungen, Neuerungen in der Praxis?

Immer mit Begeisterung (lächelt). Nein, das stimmt natürlich so nicht. Ich hatte erst zuletzt Gespräche mit Mitarbeitern in diese Richtung. Bei uns gibt es in der Regel auch ein Gegengespräch, bei dem der Mitarbeiter seinen Standpunkt deutlich macht. Wichtig ist, dass allen immer klar ist, welches Ziel hinter einer Entscheidung steht. Und das ist der Erfolg des Unternehmens. Deswegen verschriftlichen wir die Ergebnisse dieser Gespräche.

Mit welchen Attributen möchte Sie bei Ihren Mitarbeitern am stärksten wahrgenommen werden?

Wir wollen gerne als loyaler Arbeitgeber wahrgenommen werden. Bodenständig und ehrlich.

Können Sie konkreter werden?

Ich nenne gerne ein Beispiel. Aufgrund der allgemeinen Entwicklung wollen wir eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren. Wir artikulieren das Vorhaben deswegen gegenüber unseren Arbeitnehmern, um zu zeigen, dass wir ein verlässlicher, sicherer und zukunftsgerichteter Arbeitgeber sind, der das unternehmerische Risiko dafür auf sich nimmt. Wir meinen, dass das Team das so am besten mitträgt, auch wenn sich dies als wirtschaftlicher Flop erweisen sollte, was wir aber nicht glauben.

Unsere letzte Frage: Welche drei großen beruflichen Ziele setzen Sie sich in der nächsten Zeit?

1. Ich möchte noch stärker als Unternehmer arbeiten und mich um die Firma kümmern und diese leiten. Dafür brauche ich wohl etwas mehr „Abstand zur Liege“. 2. Maßstab dafür ist das Wachstum. 3. Und dafür brauche ich mehr Zeit und muss mir diese nehmen.

Vielen Dank für das Interview.

Bild: ©Shutterstock.com_373089328


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